Freitag, Oktober 14, 2011

Abrahams Entdeckung...


[6:76] Qur'an

Als nun die Nacht ihn überschattete, da erblickte er einen Stern. Er sprach: «Das ist mein Herr!» Doch da er unterging, sprach er: «Ich liebe nicht die Untergehenden.»

Als der Prophet Abraham, der Herr segne ihn, aus einer Höhle kam, entdeckte er einen Stern am Himmel, verwundert über dessen Lichterscheinung, sprach er: "das ist mein Herr!", so heißt es im Qur'an in der Sure Al An'am im 76. Vers. Die Frage, die Abraham antreibt, wie sie jeden Gläubigen beschäftigt, ist die Suche nach seinem Herrn, denn der Gläubige versteht sich in seinem Innersten als Diener. 
Derjenige, der herrschen will, dessen Innerstes einen Weg sucht Macht zu erlangen, sucht keinen Herrn, ganz im Gegenteil, er fordert Dienerschaft ein. Abraham gehört nicht zu denjenigen, die herrschen wollen und ist damit in seinem weiteren Leben der Gegenspieler par excellence zu Nimrud, dem Herrscher, der sich für Gottgleich hält.
 
Abraham erkennt zunächst in der Lichterscheinung eines Sterns am Nachthimmel seinen Herrn und Gott. Weshalb meint er, dass es sich bei diesem Phänomen "Stern am Abendhimmel" um Gott handele? Es könnte alles mögliche andere sein, was seine Aufmerksamkeit geweckt und hätte so schlußfolgern lassen, aber von einer Lichterscheinung jenseits der Erreichbarbeit sagt er, sie sei sein Herr. Ein Licht auf der Erde, ein Feuer eine Lampe ganz gleich wie weit von Abraham entfernt, hätte er nach Menschlichem ermessen erreichen können. Einen Stern nicht! Sternenlicht liegt ausserhalb unserer Beeinflussbarkeit, es erreicht uns, wir sie, die Sterne nicht. So ist der Stern für einen mit Weisheit begabten Gottessucher durchaus ein ernstzunehmender Kandidat. Dumme Menschen, die sich in ihren eigenen Machbarkeitsüberlegungen und -wünschen verstricken und diese Verstrickungen auch nicht erkennen können, werden Göttliches immer in Erreichbarem und Materiellem suchen, um dann einen Weg zu seiner Beherrschbarkeit zu finden. Der Technologismus der Moderne ist das Paradebesipiel für eine derart verfehlte Gottessuche.    
 
Eine der ungelösten Fragestellungen und seit altersher brennenden Fragen der Wissenschaften ist die Ursache von Licht. Sein Wesen verweigert sich jeder Festlegung (http://www.weltderphysik.de/de/1487.php). Mal Ausdruck elektromagentischer Wellen, mal Teilchenstrom verbirgt sich seine eigentliche Ursache hinter dieser Dichitomie.
 
Licht astronomischer Herkunft, ist besonders geeignet Kandidat für den Quell letzter Gründe und Ursachen zu sein. Seine Unerreichbarkeit sichert es vor menschlicher Beeinflussung, sein Licht so fern und  jenseitig scheint keine weitere Ursache zu haben.
Ein Stern am Nachthimmel, läßt Abraham vermuten in ihm den Urgrund der Schöpfung gefunden zu haben und damit sein Herr zu sein. Das zeigt wie analytisch und logisch der Prophet Abraham bei seiner Suche nach Gott vorgeht. Während seiner nächtlichen Beobachtung stellt er jedoch fest, dass dieser Stern und sein Licht wieder verschwindet. Und jetzt zeigt sich zu welch gewaltiger Erkenntnisleistung Abraham, der Friede sei mit ihm, fähig ist. Aus dem Untergehen des Sterns schließt er, dass es sich bei diesem und seinem Licht eben nicht um den Urgrund alles Seienden handeln kann, denn Gott, so postuliert er, muß nicht nur unerreichbar sondern auch unverrückbar sein. 
 
Und von einer weiteren erstaunlichen Leistung Abrahams wird hier im Qur'an gesprochen, seine Entdeckung begründet er obwohl sie einer großen Geistesleistung entspringt nicht logisch und führt auch keinen Gegenbeweis der Göttlichkeit des Sterns, sondern er stellt schlicht fest, dass er das "Untergehende nicht liebe". So folgt auf eine erstaunlich tiefschürfende und scharfsinnige Analyse seines Verstandes über die Leichterscheinung am Himmel eine noch erstaunlichere Schlußfolgerung, die auf die Größe seines Herzens hinweist.  
 
Abraham nennt den Antrieb für seine Gottessuche, Liebe! Eine Liebe, die er für ihn so kostbar ist, daß er sie nicht auf etwas Vergängliches richten mag. Seine Liebe ist fern von Liebeleien, Sympathien und Vorlieben, Sehnsüchten und Wünschen, sie entspringt dem Herzen eines Dieners auf der Suche nach seinem Herrn. In diesem kurzen Vers aus der Sure Anam, tritt uns im Prophet Abraham ein Mann entgegen, der nicht nur im Vollbesitz aller geistigen Kräfte ist, sondern auch ein Mensch, dessen Liebe rein ist von irdischen Anhaftungen und dessen Herz sich nicht täuschen läßt.
 
Einer der ganz Großen der Menschheitsgeschichte!