Dienstag, August 23, 2011

Der Bahn-Wahn

Leider werden heute nahezu alle Reiterbognerwettkämpfe auf eine für Pferde recht kurzen und geraden Bahn durchgeführt. Auf dieser Strecke soll das Pferd dann möglichst gleichmäßig mehrfach hintereinander seine Dienste verrichten, damit der Schütze ungestört schiessen kann und sich voll und ganz dem Treffen widmen. 
100-150m geradeaus galoppieren bereitem einem gesunden Pferd keine Mühen, selbst wenn es das mehrfach tun soll. Die Tücke dieser Übung liegt eher darin, dass das Pferd mit durchhängenden Zügeln frei geritten wird. Es gibt nichts, was es davon abhält nach rechts oder links, schnell oder sehr schnell zu galoppieren.
Damit der Reitanfänger wenigstens ein Pferd hat das geradeaus läuft und nicht unvemittelt abbiegt, werden auf nahezu allen Reiterbognerbahnen rechts und links Begrenzungen errichtet, die das Pferd in Spur halten sollen. Sie entlasten den Reiter, damit er Bogenschiessen kann, aber sie verhindern auch dass er es lernt sein Pferd allein mit Sitzhilfen auf Spur zu halten!

Was aber unleich schwerer ist, ist das Drosseln der Geschiwndigkeit von Pferden, die ihren wahren Spaß daran haben endlich mal richtig Gas zu geben und sich den auch nicht sofort nach 100 oder 150m wieder nehmen lassen. Eine nahezu unlösbare Aufgabe für den Reiterschützen, der ein Pferd mit Temperament sein eigen nennt und der doch auch noch Pfeil und Bogen schiessen will. Kaum nimmt er den Bogen in die Hand und legt den Pfeil ein, legt sein Pferd auch schon einen Zahn zu und bleibt nicht beim erhofften Schaukelgalopp. Bald mutmaßt der Reitanfänger und unerfahrene Reiterbogner das Pferd scheue vor dem Bogen oder ängstigt sich vor dem Pfeilgeräusch, wenn dieser losgelassen wird, oder meint die Bahn selbst sei es, die das Pferd zu mehr Tempo veranlasst. 
Zu weit über 90% der Fälle trifft genau das aber nicht zu, denn im Schritt oder Trab hält das Pferd nicht nur sein Tempo und läßt alles schiessen auf seinem Rücken zu, sondern es tut dies auch auf der Bahn. Nur der Galopp scheint wie verhext. Dann werden Pferdetiefenpsychologische Begründungen herangezogen, von wegen Galopp sei Fluchtgangart und Fluchtier Pferd und ähnlicher Unsinn. 

Was tun, worin liegt die Tücke dieser Übung?

Der Galopp ist wenn er langsam sein soll ist für das Pferd anstrengender, als wenn er schneller geritten wird. Jedes Pferd hat entsprechend seines Trainingszustandes und seiner Art unterschiedliche Tempi, mit durchhängenden Zügeln kann sich das Pferd voll über seine gesamte Halslänge und Geschwindigkeit ausbalanzieren. Bemerkt ein Pferd, dass es nicht mehr kontrolliert wird, tut es was es will. Und das ist in erster Linie der Arbeit entgehen und seinen Spaß suchen. Der Reiterbogner hat aber das Problem, dass er keine Hand zur schnellen Kontrollwiederherstellung mehr frei hat und eben Bogenschiessen muß. Also lernt das Pferd sehr schnell, sobald der Typ auf meinem Rücken den Bogen und den Pfeil in die Hand nimmt, bin ich frei das zutun, was mir Spaß macht.

Ab durch die Mitte und nichts wie weg... Hat sich diese Routine erst einmal eingestellt, ist guter Rat teuer, was muß ich tun, damit ich die verlorene Konrolle wieder herstelle und was muß ich lernen und was muß mein Pferd lernen, damit es diese Kontrolle auch bei durchhängenden Zügeln erhalten bleibt?  

Und dann die wahre Meisterschaft des Reiterbogners, wie schaffe ich es, dass mein Pferd unterschiedlichste Geschwindigkeiten auf der Bahn auf mein Kommando hin galoppiert, sehr schnell und langsam, Jagdgalopp und Schaukelgalopp abwechselnd oder in einem Ritt die Schrittzahl leicht erhöhen und dann wieder drosseln, ohne Zügel und ohne Bahnbegrenzer und ähnlichem Kinderkram, die mein fehlendes Reitvermögen nur kaschieren? 

In der Skala der Ausbildung der deutschen Reiterei nennt man das Takt, die erste Stufe zu einem durchlässigen gehorsamen Schulpferd. http://de.wikipedia.org/wiki/Takt_(Reiten)