Jeder Pferdeliebhaber weiß, daß durch Einkreuzen von arabischen Vollblütern die europäischen Pferderassen veredelt wurden und so erst zu ihren heute gerühmten Leistungen befähigt wurden. Deshalb kann man getrost behaupten, daß die Väter unserer Pferde Araber(1) sind . Je weniger arabisches Blut eine Pferderasse in sich trägt desto unedler gilt sie. Die Leistungsklasse der Asil Araber, der reinen Arabern, ist der Distanzsport, worin sich ihre guten Vererber auch stets aufs Neue beweisen müssen. Schon aus vorislamischer Zeit sind die Wüstenrennen und Pferdewetten überliefert, mit denen die Beduinen ihre Zuchtziele unter Beweis stellten. Der Prophet Mohammed hatte sie gefördert, allerdings Regeln eingeführt, wonach ein junges Pferd nicht gegen eine älteres und reiferes antreten sollte. Bis heute werden diese Pferde nicht nur wegen ihrer besonderen Schönheit, sondern auch wegen ihres herausragenden Charakters und ihrer ungewöhnlichen Leistungsbereitschaft zu den Königen unter den Pferderassen gerechnet. Diese Eigenschaften der Pferde konnten nur durch das strenge Einhalten der Zuchtregeln über viele Jahrhunderte hinweg hervorgebracht werden. Das liegt zum Einen an der weitherzigen Liebe der Araber zu ihren Pferden, vor allem auch an ihrer religiösen Wertschätzung für das Pferd überhaupt. Zum Anderen an ihren strengen Zuchtkriterien, die in adlige reine und unedle unreine Pferde unterschied. So galt eine Stute schon dann nicht mehr als rein, wenn sie einmal von einem nicht asilen Hengst begattet wurde.
Im Jahre 622, als Mohammed von Mekka nach Medina floh, gerieten er und seine Begleiter in einen schweren Sandsturm. Abends gelangte die Karawane zu einem Wüstenbrunnen, und die erschöpften und durstigen Pferde stürzten los. Der Prophet rief sie zurück, aber nur fünf Stuten kehrten pflichtbewusst um. Mohammed segnete die gehorsamen Stuten Abayyah, Saqlawiyah, Kuhaylah, Hamdaniyah und Hadbah und legte, um sie zu zeichnen, jeder seinen Daumen in den Nacken, wo sich daraufhin kleine Haarwirbel bildeten. Solche Wirbel werden noch heute Daumenzeichen des Propheten genannt, und die Pferde, die es besitzen, sollen besonders edel sein. Mohammed begründete mit den fünf Stuten eine konsequente arabische Zucht, deren Regeln mit religiösen Gebräuchen und Anschauungen durchsetzt war. Von den edelsten Linien des arabischen Pferdes wird gesagt, dass sie auf die "Fünf des Propheten Allahs" zurückgehen, und nur sie dürfen sich reinen Blutes nennen.
Doch nicht nur die Pferdezucht galt bei ihnen als besonders verdienstvoll und hat eine ganz besondere Blüte unter allen Pferderassen hervorgebracht, auch die Aufzucht und Ausbildung der Pferde – und das ist bei uns in Europa weithin unbekannt – galt unter den Muslimen als die doppelt geadelte Kunst. Die rechte Versorgung und Erziehung, um diese hervorragenden Geschöpfe in den Dienst der Menschen zustellen, war die Kunst der Meister. Und sie galt dann als gelungen, wenn ein Pferd ohne Zaumzeug frei und willig bei den schwierigsten Lektionen geritten werden konnte(2). Für ihre kriegerische Auseinandersetzungen setzten die Araber nur Stuten und Wallache ein, was bei manchen Schlachten mit europäischen Rittern, die auf Hengsten ritten, bei diesen großes Durcheinander verursachte. Die Pferde der Araber waren schnell, leichtfüßig, ausdauernd und menschenbezogen, und deshalb dem europäischen Schlachtross bei weitem überlegen. Araber und Türken achteten peinlichst darauf, daß ihr Pferd kaum Fett ansetzte, was bis heute gilt. Beide Völker hatten eine besondere Technik ihre Pferde zur Höchstleistung zu bringen: Im Frühjahr wurden ihre Pferde durch besondere Nahrung und eine eigentümlich anmutende Schwitztechnik auf die Frühjahrsrennen vorbereitet. Das Pferd musste unter einer großen Menge von Filzdecken in der Sonne stehen, um das durch das besonders eiweißreiche Futter überschüssige Fett wieder abzubauen, während dieser Zeit wurden die Pferde nicht trainiert. Erst nachdem diese Prozedur überstanden war, wurden sie nach einem ganz besonderen Tagesplan auf die Rennen vorbereitet. Wie unterschiedlich die orientalische Sichtweise zu unserem europäischen Blick auf ein gesund ernährtes Pferd ist, mag eine Anekdote belegen, die die englische Historikerin Ann Hyland zu berichten weiß . Bei einer US amerikanischen „Araber Show“ war ein saudischer Prinz zugegen und wunderte sich über die dort gezeigten, allesamt, wohlgenährten Pferde und fragte seinen Nachbarn: „Was macht ihr mit euren Pferden? Esst ihr sie? Wir reiten unsere Pferde!“(3)
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(1)Im 17.Jahrhundert gelang es mit einigen, wenigen türkischstämmigen Elitehengsten die europäische Pferdezucht erheblich zu verbessern. Damals bedeutete das in der Militärtechnik einen großen Schritt nach vorne. Gute Pferde waren so schwierig zu bekommen wie Seidenraupen aus China.
(2)Hammer Purgstall, Das Pferd bei den Arabern, S.162ff
(3)The medieval war horse from Byzantium to the Crusaders, Ann Hyland
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