Donnerstag, Mai 28, 2009

Der Bruder

Der Amir der Gläubigen ‘Alî bin abî Tâlib
berichtet, daß der heilige Prophet, Gottes Segen
und Frieden sei auf Ihm, sagte:
Ein Muslim hat gegenüber seinem Bruder dreißig
Pflichten, von denen er sich nicht freisprechen
kann, außer indem er sie gewährt und tilgt.
Er vergibt ihm seinen Ausrutscher, erbarmt sich
seiner, bedeckt seine Blöße, macht seinen Fehltritt
klein, nimmt seine Entschuldigung an, weist seine
Verleugnung durch andere von sich, steht ihm ständig
mit Rat zur Seite, verbirgt seine Mängel, hütet
seine Verpflichtung ihm gegenüber, besucht ihn
in seiner Krankheit, sieht seinen Wunsch, nimmt
seine Einladung an, akzeptiert sein Geschenk, vergilt
sein Entgegenkommen, bedankt sich für seine
Wohltaten und verhilft ihm zum Sieg auf eine gute
Weise. Er behütet seine Gattin und erledigt seine
Bedürfnisse, gewährt ihm seine Bitte und läßt sich
seine gewähren. Er läßt das von ihm Beabsichtigte
nicht scheitern, wünscht ihm Gesundheit, wenn er
niest, weist ihn auf seinen Irrtum hin und erwidert
seinen Gruß und verschönert seine Worte an ihm,
mehrt seine Wohltat, hält seinen Schwur, verhilft
ihm zum Siege und erweist ihm Hilfe, sollte er ihm
Unrecht oder im Recht sein. Sollte er im Unrecht
ist, indem er ihn vom Unrecht abhält, wenn er jedoch
im Recht ist, indem er ihm zur Erlangung
seines Rechts verhilft. Er ist ihm ein Freund und
ist ihm kein Feind, er behält ihn wohl und läßt ihn
nicht im Stich, wünscht ihm das Gute, so wie er
es für sich selbst wünscht, und verabscheut für ihn
das Schlechte, so wie er es für sich selbst verabscheut.
‘Abdullah bin Salam, möge Allah mit ihm zufrieden
sein, sagte: «Es wurde einmal ein Esel eines der
Propheten des Volkes Israel gestohlen. Da sagte jener
Prophet, der Friede sei auf ihm: ‚O Herr, es
wurde der Esel Deines Propheten gestohlen, und
Du bist sehend, so bitte ich Dich, mir zu zeigen,
wer ihn genommen hat!‘ Da gab ihm Allah ein:
‚Als jener deinen Esel stahl, bat er Mich, ihn zu bedecken,
und Ich schäme Mich, ihn zu entblößen,
jedoch gebe Ich dir einen Esel an seiner Stelle!»

[Aus dem Damaszener-MS Faida Latifa von Ibrahim Kainz.]