Die Amazonen sind nette Mädchnen aus Accra mit Namen wie Eunice, Beatrice, Patience, Primrose, Maud und Rhoda. In Elmina waren es siebenhundert, die von Benito Stafanelli, einem löwengesichtigen italienischen Stuntregisseur, im Umgang mit Macheten ausgebildet wurden. Sie haben sich sehr schlecht aufgeführt. Sie erzürnten die Dorfbewohner durch das Absingen unglaublich obszöner Lieder. Sie streikten für mehr Geld und hätten beinahe einen Aufruhr angezettelt.
Um acht Uhr dreißig in der Früh fahren ihre Busse vor dem Palast vor. Wir hören Geschrei und Gebrüll jenseits der Mauer.
»Die Situation könnte außer Kontrolle geraten«, sagt Werner Herzog düster. »Jemand sollte für uns beten.«
Die Amazonen schlendern durch den Hof und gehen dann davon, um sich umzuziehen — oder vielmehr auszuziehen — und in ihr Amazonenkostüm zu schlüpfen: ein gelber Slip, mit weißer Kreide eingeriebene Brüste und als Helm ein scharlachroter, mit Kaurimuscheln getüpfelter Kürbis. Sie tragen Macheten, Schilder und Speere. Die Speerspitzen sind umgebogen, aber man könnte mit ihnen immer noch ein Auge ausstechen.
Wahrend ich darauf warte, daß etwas geschieht — wie es beim Drehen üblich ist -, sitze ich bei den Mädchen und fange Gesprächsfetzen auf.
»Zieh deinen Büstenhalter aus, Jemimah!« »Wie kannst du dich nur mit diesem Feigling zusammentun?«
»Tja, aber was soll man machen? Er ist auch ein Mensch.«
»Er ist ganz allein unterwegs. Er hat keine Frau.« »Frauen in Europa tun so was nicht, Rhoda!«
Es ist unerträglich heiß - um die 45 Grad Celsius —, und die Amazonen machen schnell schlapp. Sie sollen einen spektakulären Angriff auf den Palast unternehmen. Wir sitzen im Säulengang und sehen den Proben zu. Plötzlich stürzen die Mädchen Speere schwingend auf uns zu, mit Werner, der barfuß ist, an ihrer Spitze. »Los, Mädchen!« ruft er. »Schneller! Schneller!« - Bruce Chatwin, Was mache ich hier. Frankfurt am Main 1993 (Fischer - Tb. 10362, zuerst 1989)
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen