Mittwoch, Juli 12, 2006

König Chlodwigs Rache (Geschichten aus der Zeit der Völkerwanderung)

Der Bischof einer geplünderten Kirche erbat von König Chlodwig (der damals die Taufe noch nicht empfangen hatte) die Rückgabe eines wohl besonders schönen und großen kirchlichen Gefäßes. Bei der Beuteverteilung bat der König seine beuteberechtigten Krieger, ihm jenes Gefäß ohne Anrechnung auf seinen Beuteanteil zuzugestehen. Während die anderen Anwesenden sich wohl oder übel willfährig zeigten, krakeelte einer mit lauter Stimme:

»Nichts sollst du haben, als was dir das Los erteilt.« Und dabei schlug er mit der Axt nach dem Krug. Der König bemeisterte und verbarg seinen Zorn, nahm das Gefäß an sich und übergab es dem Boten des Bischofs. Ein Jahr war vergangen, als der König auf einer Heerschau die Ausrüstung seiner Krieger musterte und sich plötzlich dem vorlauten Krakeeler gegenüberfand. »Keiner trägt seine Waffen so verwahrlost wie du!« herrschte er ihn an, entriß ihm seine Streitaxt und warf sie ihm vor die Füße. Jener bückte sich, um seine Waffe aufzuheben da hieb ihm der König mit aller Wucht seine Streitaxt in den Schädel. »So«, sagte er, »hast du es damals mit dem Krug gemacht«. Gregor von Tours beendet diese Erzählung mit der Bemerkung, der König habe durch diese Tat eine große Furcht vor seiner Person begründet. - Gustav Radbruch, Heinrich Gwinner: Geschichte des Verbrechens. Frankfurt am Main 1990 (Die Andere Bibliothek 62, zuerst 1951)

1 Kommentare:

obsto hat gesagt…

Was will uns Steppi wohl mit dieser Geschichte sagen?