Geschriebene Überlieferungen erleichtern unser eigenes Verstehen vom Pferd besser zu reflektieren.
Wenn wir uns die Literatur der Pferdeausbildung erarbeiten, stellen wir immerwieder fest, dass jedes Werk die Methoden und Richtlinien der Erziehung seines Zeitalters wiederspiegelt. So erfahren wir dann von Kuriositäten, dass es bei den alten Arabern und Türken äusserst verpönt war, wenn das Pferd unter seinem Reiter Winde fahren liess oder stallte. Wir lesen die beinahe schon mechanisch anmutenden Richtlinien der Reitlehren des ausgehenden 18. Jahrhunderts und bemühen uns die detailverliebten Unterscheidungen und Begrifflichkeiten der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts nachzuvollziehen. Dann begegnen uns immerwieder die Versuche aus neuerer Zeit das unbedingt Notwendige vom Überfluss älterer Literatur zu trennen. Andrerseits erstaunen uns dann germanische, königliche Garden römischer Cesaren, die ihre Pferde an der Doppellonge im spanischen Schritt vorführten.
Jede Zeit meint sie hätte den Stein der Weisen gefunden und lehrt ihre einzig wahre Ausbildungsmethode und deren jeweilige Jünger propagieren lautstark die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges. Jedoch lesen unsere Pferde keine Bücher, sie diskutieren auch keine Erziehungsmethode, es läßt sie vollkommen kalt, ob wir mit Westernhut oder Dressurzylinder zu ihnen kommen. Alle unsere Ansichten und Lehren, Ausbildungssysteme und Umgangsregeln dienen ausschliesslich dem eigenen besseren Verständnis vom Pferd. Wir reflektieren darin unser Verstehen, unsere Lebensführung und unsere Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen. So drückt sich darin wesentlich aus, ob wir selbst barmherzig oder eher grob sind, ob wir Macher sind, die etwas erreichen wollen oder Hütehunde, die schützen wollen. Für unser Verständnis ist auch wesentlich, welche Erziehung wir genossen haben und in welcher Sozialstruktur wir großgeworden sind. Ganz wichtig ist, ob wir eine Selbstvervollkommnung anstreben oder in unser persönlichen Entwicklung stehen geblieben sind.
Je nachdem wer wir sind und wem wir folgen, prägt es unser Verständnis, was ein Pferd von dem versteht, was wir von ihm wollen. Wir üben uns darin und so bildet sich mit der Zeit eine Sprache zwischen zwei Geschöpfen mit so unterschiedlichen Erlebniswelten. Wir übertragen die Disziplin der eigenen Lebensführung und lehren sie dem Pferd, so wie einst die alten Türken ihren Pferden verboten in ihrer Gegenwart zu stallen.
Ist es gelungen ein gemeinsames Verständigungsrepertoire herzustellen und werden dann schwierigere Bewegungsabläufe vom Pferd verlangt, dann können körperliche Unzulänglichkeiten eine weitere Hürde sein, die ein Gelingen verhindern. Wenn wir zum ersten Mal einen Rückwärtssalto üben, müssen wir uns zuerst körperlich und psychisch dazu in die Lage versetzen. Genauso ist es mit den Pferden, sie benötigen körperliches und psychisches Training, um z.B. mit uns über einen Wassergraben zu springen.
Jedes Geschöpf hat seinen Eigenwillen, diesen gilt es zu domestizieren - disziplinieren. Arbeiten wir mit dem Pferd, halten wir es vom Fressen ab. Verfügen wir aber auch über genügend Disziplin selbst hin und wieder eine Fastenzeit einzuhalten oder akzeptieren wir, wenn wir hungrig sind, dass jemand anders uns zu Essen verbietet? So paradox es klingt, unser Wille wird nur in dem Maße stärker, je mehr Disziplinierung unseres eigenen Willens wir zu tragen bereit sind. Und nur dann verstehen wir auch aus eigener Anschaung, wie schwer es für das Pferd ist auf Fressen verzichten zu müssen.
Wollen wir schliesslich die Fähigkeiten unseres Pferdes entfalten und fördern, dann gelingt es nur, wenn unsere eigenen Fähigkeiten uns nicht fremd sind und wir sie fördern und zum Blühen bringen. Diese Schätze zu heben, ist eine Lebensaufgabe und gleichzeitig ein unermesslicher Reichtum.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentare:
damn good blog, check out mine http://juicyfruiter.blogspot.com, comments always welcome!
Kommentar veröffentlichen