Keine wirklich ernstzunehmende Sportart verzichtet auf die ersten drei Bestandteile in ihrem Traningsaufbau. Beim berittenen Bogenschiessen kommt noch die Losgelassenheit sowohl für Pferd und als auch den Reiter hinzu. Erst wenn unsere Muskeln warm, Sehnen und Bänder gedehnt, die Kraft im ausreichenden Maße erreicht und die Technik des Bewegungsablaufs in Fleisch und Blut übergegangen ist, sind wir in der Lage mit zielsicherer Losgelassenheit auf einem in sich ruhend galoppierenden und losgelassenen Pferd Bogen zu schiessen.
Mit der Technik haben wir uns den notwendigen Rhythmus erarbeitet den Bogen korrekt zu spannen und Pfeile schnell zu schiessen. So wie aber der Begriff Losgelassenheit beim Pferd die ständigen, harmonische Wechsel zwischen An- und Entspannen der Muskulatur meint, so tut dies der Reiter beim Bogenschiessen nur dann natürlich und taktmäßig (besser: rhythmisch) wie sein zwanglos galoppierendes Pferd, wenn er selbst losgelassen und zwanglos arbeitet.
So wie die Losgelassenheit ein Ziel in der Skala der Pferdeausbildung ist, so muss es für den reitenden Schützen selbst ein Ziel sein, das er für sich zu erreichen anstrebt. Erst wenn er über einen aufgewärmten, durch Dehnung ausreichend flexiblen und gut gekräftigten Körper verfügt, der im Rhythmus der schnellen Abfolge des Bogen Spannen, Pfeile nocken und lösen, technisch sicher arbeitet, kann er sich Losgelassenheit erarbeiten.
Losgelassenheit bedeutet nicht sein Ziel stets mit großer Sicherheit vom galloppierenden Perd zu treffen, sondern Losgelassenheit meint den von allen mentalen und physischen Blockaden befreiten rhythmischen Bewegungsablauf des reitenden Schützen. Losgelassenheit ist das "Es schießt!" wie Herigel es in seinem Buch, Zen und die Kunst des Bogenschiessens, nennt.
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